Was passiert mit überschüssigem Strom aus dem Balkonkraftwerk?

Was passiert mit überschüssigem Strom aus dem Balkonkraftwerk?

Geschrieben von: Stephan Tölpe

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Lesezeit 3 min

Du betreibst bereits ein Balkonkraftwerk und fragst dich, was mit dem Strom passiert, den du gerade nicht selbst verbrauchst? Wird er gespeichert, verschenkt oder geht er einfach verloren?

Die gute Nachricht: Kein Solarstrom geht verloren. Was genau mit deinem überschüssigen Strom passiert, hängt jedoch davon ab, wie dein System aufgebaut ist und wie hoch dein aktueller Stromverbrauch ist.

In diesem Ratgeber erfährst du, was mit nicht genutztem Solarstrom geschieht, wie hoch der Eigenverbrauch beim Balkonkraftwerk typischerweise ausfällt und welche Ersparnis realistisch möglich ist.

So funktioniert ein Balkonkraftwerk

Ein Balkonkraftwerk – auch Mini-PV-Anlage oder Steckersolaranlage genannt – erzeugt tagsüber Strom, sobald Sonnenlicht auf die Solarmodule trifft.

Der erzeugte Gleichstrom wird über einen Wechselrichter in haushaltsüblichen Wechselstrom umgewandelt und direkt in deinen Stromkreis eingespeist.


Das bedeutet:

  • Deine laufenden Geräte nutzen zuerst den erzeugten Solarstrom.
  • Nur zusätzlicher Strombedarf wird aus dem öffentlichen Netz gedeckt.
  • Überschüssiger Strom wird automatisch weitergeleitet.

Doch wohin genau fließt dieser Strom?

Szenario 1: Du verbrauchst den Solarstrom direkt

Der direkte Verbrauch des erzeugten Stroms wird als Eigenverbrauch bezeichnet. Genau hier liegt das größte Sparpotenzial eines Balkonkraftwerks.

Jede Kilowattstunde, die du selbst nutzt, musst du nicht mehr vom Stromanbieter beziehen. Dadurch reduzierst du deine Stromkosten unmittelbar.


In der Praxis liegt der Eigenverbrauch bei Balkonkraftwerken häufig zwischen 60 und 80 Prozent. Für eine realistische Beispielrechnung wird oft mit etwa 70 Prozent gerechnet.

Je höher dein Eigenverbrauch ausfällt, desto schneller amortisiert sich deine Anlage.

Szenario 2: Du verbrauchst den Strom nicht

Produziert dein Balkonkraftwerk mehr Strom, als dein Haushalt aktuell benötigt, wird der überschüssige Strom automatisch in das öffentliche Stromnetz eingespeist.

Dafür musst du nichts tun. Dieser Vorgang erfolgt automatisch, da Strom immer den Weg des geringsten Widerstands nimmt.


Der überschüssige Solarstrom:

  • fließt ins öffentliche Stromnetz,
  • wird von anderen Haushalten genutzt,
  • reduziert den Bedarf an konventioneller Stromerzeugung,
  • unterstützt den Ausbau erneuerbarer Energien.

Der Strom geht also nicht verloren, sondern wird weiterhin sinnvoll genutzt.

Bekommst du eine Vergütung für eingespeisten Strom?

Grundsätzlich kann eingespeister Strom vergütet werden, wenn die Anlage als Photovoltaikanlage offiziell beim Energieversorger angemeldet wird. Bei den meisten Balkonkraftwerken ist die Einspeisemenge jedoch vergleichsweise gering.

In vielen Fällen lohnt sich daher der zusätzliche bürokratische Aufwand für die Beantragung einer Einspeisevergütung wirtschaftlich kaum. Deshalb verzichten zahlreiche Betreiber bewusst darauf und konzentrieren sich stattdessen auf einen möglichst hohen Eigenverbrauch.

Wie viel Strom erzeugt ein 500-Wp-Balkonkraftwerk?

Eine einfache Faustregel lautet:

1 kWp Leistung erzeugt in Deutschland etwa 900 bis 1.000 kWh Strom pro Jahr.


Für ein 500-Wp-Balkonkraftwerk ergibt sich daraus folgende Beispielrechnung:

Beispiel: Jahresertrag eines 500-Wp-Balkonkraftwerks

  • 0,5 kWp × 1.000 kWh = ca. 500 kWh Stromertrag pro Jahr
  • 70 % Eigenverbrauch = 350 kWh selbst genutzt

Die verbleibenden 150 kWh werden ins öffentliche Stromnetz eingespeist.

Was passiert mit dem überschüssigen Strom?

Die kurze Antwort lautet:

  • Er wird ins öffentliche Netz eingespeist.
  • Er versorgt andere Verbraucher in deiner Umgebung.
  • Er trägt zur Reduzierung fossiler Stromerzeugung bei.
  • Er unterstützt die Energiewende.

Selbst wenn du keine Einspeisevergütung erhältst, entsteht dein größter finanzieller Vorteil durch den selbst genutzten Solarstrom.

Kannst du überschüssigen Strom speichern?

Ja, mit einem Balkonkraftwerk-Speicher oder einer Solarbatterie kannst du überschüssigen Strom für die spätere Nutzung speichern.

Dadurch lässt sich der Eigenverbrauch deutlich erhöhen, da du den tagsüber erzeugten Strom beispielsweise am Abend nutzen kannst.


Allerdings solltest du die Wirtschaftlichkeit genau prüfen:

  • Ein Batteriespeicher verursacht zusätzliche Anschaffungskosten.
  • Die Amortisationszeit deiner Anlage verlängert sich häufig.
  • Für viele Haushalte ist es wirtschaftlicher, den Eigenverbrauch gezielt zu erhöhen.

So erhöhst du deinen Eigenverbrauch

Oft kannst du bereits mit einfachen Maßnahmen deutlich mehr Solarstrom selbst nutzen.


Tipps für einen höheren Eigenverbrauch:

  • Waschmaschine tagsüber laufen lassen
  • Geschirrspüler per Zeitvorwahl starten
  • Warmwasserbereitung in die Mittagsstunden verlegen
  • E-Bike tagsüber laden
  • Powerbanks oder Akkugeräte bei Sonnenschein aufladen
  • Smart-Home-Steckdosen zur automatischen Steuerung nutzen

Je besser du deinen Stromverbrauch an die Sonnenstunden anpasst, desto mehr profitierst du von deinem Balkonkraftwerk.

Lohnt sich ein Balkonkraftwerk überhaupt?

In den meisten Fällen lautet die Antwort eindeutig: Ja.


Bereits mit einer kleinen Steckersolaranlage lassen sich jährlich spürbare Stromkosten einsparen. Je höher dein Eigenverbrauch und je höher der Strompreis, desto größer fällt dein finanzieller Vorteil aus.

Da moderne Balkonkraftwerke über viele Jahre Strom erzeugen, kannst du nach der Amortisation praktisch kostenlosen Solarstrom nutzen und deine Stromrechnung dauerhaft senken.

Fazit: Überschüssiger Strom geht nicht verloren

Wenn dein Balkonkraftwerk mehr Strom produziert, als du gerade benötigst, wird der überschüssige Strom automatisch ins öffentliche Netz eingespeist. Er versorgt andere Haushalte, unterstützt die Energiewende und geht keinesfalls verloren.


Den größten finanziellen Nutzen erzielst du allerdings durch einen möglichst hohen Eigenverbrauch. Deshalb lohnt es sich, stromintensive Geräte gezielt während der Sonnenstunden zu betreiben und den selbst erzeugten Solarstrom optimal zu nutzen.